GLOBU im Unterricht: Weltkarte legen, Karten lesen und räumliche Orientierung aufbauen


Wenn Spielen räumliche Strukturen erfahrbar macht
GLOBU ist ein Weltkarten-Kartenspiel, das im Unterricht weniger über Faktenwissen zu Kontinenten wirkt, sondern über Struktur, Orientierung und visuelles Vorausdenken. Ich habe das Spiel im integrativen heilpädagogischen Kontext mit einer 4. Klasse eingesetzt, es eignet sich jedoch ebenso gut für den Einsatz in der Regelklasse. Besonders auffällig war die hohe Konzentration und Spielfreude der Kinder. Das Spiel verläuft ruhig, fokussiert und ohne permanente verbale Anleitung.
Spielprinzip und Lernlogik
GLOBU wird mit verdeckten Handkarten gespielt, die für andere nicht sichtbar sind. Zusätzlich liegen vor jeder Person offene Karten aus, die auch von den anderen zum Anbauen verwendet werden dürfen. Ziel ist es, die eigenen Handkarten regelkonform an die entstehende Weltkarte anzulegen und sie möglichst vollständig loszuwerden.
Didaktisch zentral ist das Anlegeprinzip: Karten können nicht beliebig gelegt werden, sondern haben jeweils eine exakt definierte Position innerhalb der Weltkarte. Dieses Prinzip zwingt die Spielenden dazu, vorauszudenken, die Gesamtstruktur im Blick zu behalten und Karten nicht nur isoliert, sondern im räumlichen Zusammenhang zu betrachten.
Erfahrungen aus dem heilpädagogischen Kontext
Im heilpädagogischen Setting zeigte sich GLOBU als gut tragfähig, weil das Spiel klare Strukturen vorgibt und gleichzeitig keine zusätzliche Rollenverteilung oder sprachliche Anforderungen erzwingt. Jede Person spielt grundsätzlich für sich, arbeitet aber am selben Gesamtbild. Das Spiel kann auch zu zweit gespielt werden, oder in Teams, falls einzelne Spieler etwas Hilfe brauchen. Dies fördert die soziale Interaktion und Kommunikation.
Gerade für Kinder, die von klaren visuellen Ordnungen profitieren, bietet das Spiel eine stabile Orientierung. Die wachsende Weltkarte wirkt strukturierend, Fortschritt ist sichtbar, und Fehlversuche können ohne Zeitdruck korrigiert werden. Lernen erfolgt über das Tun, nicht über Erklären oder Benennen.
Einsatz in der Regelklasse
Auch in der Regelklasse eignet sich
GLOBU gut, insbesondere in offenen Lernformen oder als ruhiges Lernspiel. Das Ziel, die eigenen Karten loszuwerden, bleibt stets zentral und genau darin liegt der Lernreiz: Wer erfolgreich sein möchte, muss nicht nur legen, sondern das Kartenlayout, mögliche Anschlussstellen und die Struktur der Weltkarte insgesamt im Blick behalten.
Das Spiel belohnt vorausschauendes Denken und strukturiertes Vorgehen. Einzelne Züge wirken sich unmittelbar auf spätere Möglichkeiten aus, was Kinder dazu anhält, ihre Entscheidungen bewusst zu treffen.
Geografie als Anlass, nicht als Lernziel
GLOBU ist kein klassisches Geografiewissensspiel. Kontinente, Länder und Küstenverläufe werden nicht abgefragt oder benannt. Vielmehr entstehen sie beiläufig durch das Legen der Karten. Genau dieser beiläufige Zugang weckte im Unterricht spürbar Interesse: Fragen wie „Was ist das für ein Land?“ oder „Wo liegt das eigentlich?“ entstanden aus dem Spiel heraus und können anschließend von der Lehrperson aufgegriffen und vertieft werden. Geografisches Lernen wird hier angeregt, nicht eingefordert.
Zentrales Lernpotenzial: Kartenraster und Vorstufe zum Koordinatensystem
Der eigentliche pädagogische Kern von
GLOBU liegt im Kartenlesen über ein Raster. Jede Karte ist eindeutig über eine Buchstaben-Zahlen-Kombination positioniert (z. B. A1, B7, E13). Dieses Prinzip entspricht dem grundlegenden Kartenraster, wie es auch in Atlanten verwendet wird, um Orte eindeutig zu lokalisieren, noch ohne Koordinaten im Sinne von Längen- und Breitengraden, aber als klare Vorstufe.
Kinder lernen dabei implizit:
- in Reihen und Spalten zu denken
- Positionen im Gesamtgefüge zu erkennen
- Karten nicht isoliert, sondern relational zu betrachten
- räumliche Strukturen und Spielzüge vorauszudenken
Diese Art des Denkens bildet eine wichtige Grundlage für das spätere Arbeiten mit Koordinatensystemen, Tabellen, Gitternetzen und kartografischen Darstellungen im Mathematik- und Sachunterricht.
GLOBU lässt sich gut an die Bildungspläne der Grundschule anbinden. Im Fach Mathematik unterstützt das Spiel Kompetenzen aus den Bereichen Raum und Form, insbesondere das Orientieren in Gittern, das Erfassen räumlicher Beziehungen und das strukturierte Problemlösen.
Im Sachunterricht fördert
GLOBU grundlegende geografische Orientierung und das Verständnis dafür, wie Karten aufgebaut sind, ohne auf reines Faktenlernen reduziert zu sein.
Überfachlich werden Konzentration, Planungsfähigkeit und selbstständiges Denken gestärkt, zentrale Ziele der kompetenzorientierten Grundschulbildung.
Fazit aus der Praxis
GLOBU ist ein
Lernspiel, das
räumliches Denken,
Kartenlesen und
strukturiertes Vorausdenken auf spielerische Weise vorbereitet. Im heilpädagogischen Kontext bietet es klare Orientierung und ruhige Lernprozesse, in der Regelklasse eröffnet es Denkaufgaben und vorausschauendes Handeln ohne Leistungsdruck. Lernen geschieht hier nicht durch Erklären, sondern durch das konsequente Arbeiten innerhalb einer klaren Struktur.
Autorin:
Sandra Lauth | Schweiz | Lernspass.pro | schulische Heilpädagogin (M.A.),

